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Positionsspiel – Under the Gun

April 19th, 2007 · 4 Comments · Poker Spielanleitung, Pokerstrategie, Texas Holdem

Die erste Position am Flop ist wahrscheinlich auch die am schwierigsten zu spielende Position am ganzen Tisch. Nicht umsonst heißt diese Position „under the gun“.
In dieser Position eröffnen Sie die Runde sobald alle Spieler die Holde Cards bekommen haben. „Under the gun“ ist der erste Spieler LINKS vom Big Blind.
Auch nach dem Flop sind Sie in einer frühen Position (insbesondere an einem 8 – 10 Teilnehmer Tisch).

Das Geheimnis diese frühe Position Pre-Flop richtig zu spielen ist nur wahre Superblätter zu spielen! Spielen Sie in dieser Position wesentlich stärkere und daher auch weniger Hände als in einer besseren Position.

Hier ein Beispiel warum es so verdammt schwierig ist “under the gun” zu spielen:

Sie sitzen also in erster Position auf einem $1/$2 No Limit Tisch, Sie schauen sich ihre Karten an und sehen, dass Sie eigentlich recht brauchbare Hole Cards haben (Q-J), die Sie normalerweise immer spielen und nicht passen – manchmal erhöhen Sie mit diesem Blatt sogar.

heart_queen.png diamond_jack.png

„Under the gun“ sollten Sie jedoch besser passen.
Aber was machen Sie?
Ach was, denken Sie, $2 – den Big Blind gehe ich mit (Call), denn Sie hoffen auf einen billigen Flop.
Nun kommt ein Spieler nach dem anderen zum Zug – und mal ehrlich, wie oft passiert es an einem 8 – 10 Mann Tisch, dass nicht erhöht wird?
Richtig, verdammt selten.
So auch in unserem Beispiel – ein Spieler in später Position erhöht auf $10.

Das ist der Moment wo Sie das untrügliche Gefühl beschleicht soeben $2 zum Fenster hinausgeworfen zu haben. Denn Sie wissen nun, dass da jemand ist, der Ihr Q-J dominieren wird.
Um unser Beispiel weiter zu spinnen, gehen wir davon aus, dass nur mehr Sie und der Gegner mit dem Raise im Spiel sind, und dass Sie den Raise mitgehen um den verdammten Flop endlich sehen zu können (frei nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“).

Jetzt wird es aber wirklich scheußlich, denn so richtig brauchen können Sie jetzt eigentlich nur noch Q UND J oder vielleicht noch 10 UND 9 am Flop.
Von Ihrem Gegner müssen Sie ausgehen, dass er eine starke Hand hat (A-Q, A-J, A-K, K-Q, oder K-J).
All diese gegnerischen Pocket Cards machen aus Ihnen einen ca. 3:1 underdog.
Sollte Ihr Gegner sogar Q-Q haben wird’s noch schlimmer: jetzt stehen die Chancen noch schlechter – 9:1 und mit einem A-A oder K-K Paar immerhin auch 6:1 (das tut selbst beim Schreiben schon weh ;-) ).

Aber schon geht’s fröhlich weiter (Achtung: Scherz) – der Flop wird aufgedeckt!

diamond_queen.png clubs_9.png spade_3.png

Raten Sie doch mal, wer nun als erster seinen Einsatz machen muss – richtig: Sie!

Sie haben also ein Q-Q Pärchen und müssen das Spiel machen. Ein Damenpaar ist nicht so wirklich toll, denn Sie haben noch immer kein Anzeichen für die wahre Handstärke Ihres Gegners.
Sie werden also auf Nummer Sicher gehen und nur checken (Schieben) um so vielleicht ganz billig die nächste Karte zu sehen und Ihre kleine Chance am Leben zu halten.

Tja, hoffen darf man ja immer – es kommt natürlich so wie es kommen musste, der andere Spieler setzt $15.

Was nun?
Jetzt ist guter Rat teuer (welch herrliches Wortspiel).

Sie betrachten die Situation: Ein Q-Q Paar und $12 von Ihnen liegen bereits im Pot.
Da sehen weitere $15 auch nicht so schlimm aus, oder?
So, jetzt hat der Pot Sie in seinem Sog und Sie gehen bis zum bitteren Ende mit jeder Wette Ihres Gegenübers mit, um am Ende sehen zu müssen, dass Ihr Gegner A-Q hat – und Ihre ganzen Chips.

Das ist also ein wunderbares Beispiel wie man aus erster Position so richtig schön in eine verdammt unangenehme Situation kommen kann.

Versuchen Sie aus „under the gun“ niemals mit einer nur durchschnittlichen Starthand sich in ein Spiel „hinein zu schummeln“ – in 9 aus 10 Fällen wird jemand mit einer besseren Hand erhöhen.

Aus dieser Position sollten Sie nur wirkliche Killerhände spielen: A-A, K-K, Q-Q, J-J, 10-10, 9-9, A-K, A-Q, K-Q (wobei ich bei J-J, 10-10, 9-9 schon wieder sehr, sehr vorsichtig wäre).

Ob Sie mit diesen “Killer” – Hole Cards mit einem Call oder Raise einsteigen hängt davon ab, ob am Tisch eher tight oder aggressive gespielt wird.

Tight – erhöhen Sie!
Aggressive – gehen Sie mit!

Auf einem “aggressiven” Tisch wird sicherlich jemand anderer in späterer Position erhöhen.
Auf einem „tighten“ Tisch sollten Sie raisen, um Spieler die mit einer durchschnittlichen Karte auf eine billige nächste Karte gehofft haben vom Tisch zu verdrängen. Denn wenn Sie zu vielen Spielern die Möglichkeit auf eine billige Flopkarte geben könnte der Schuss nach hinten losgehen – plötzlich wurde aus der mittelmäßigen Starthand Ihres Gegners ein verdammt starker Draw. Das sollten Sie nicht zulassen.

Denken Sie daran, „under the gun“ ist die Position in der die meisten guten Starthände verloren werden!

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4 Comments so far ↓

  • M.R

    Sehr schön geschriebener Text.
    Sehr verständlich.
    Bin anfänger und habe was dazugelernt.
    vielen dank
    mehr davon pls :)

  • david

    Guter Artikel, sehr einleuchtend! Allerdings hat die frühe Position auch einen entscheidenden Vorteil:
    dass late und middle der early position vorzuziehen sind, ist ja klar, aber angenommen man hat eine starke Hand z.B. AQs und macht ein raise oder call und verpasst den Flop, so ist es dank der GAP einfacher eine continuation-bet zu machen, weil der Gegner ja rausgehen könnte (vor allem wen wenige Spieler am Tisch sind kommt eine solche Situation oft zu Stande).

  • king of simpson

    Es gibt wenige Artikel die ich fertig lese! Das ist einer davon!

  • Ingo

    UTG ist in so einem Fall ein MiniRaise auch eine echte Alternative, erstmal wird aus dieser Position jedes Raise sehr ernst genommen und zweitens behält man die Kontrolle: Kommt ein Reraise kann ich mit QJ immer noch folden und halte ich Monster bette ich nochmals drauf

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